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Notizen vom Wochenende: WM Calgary, DJM Berlin

Autor: Redaktion Sunday, March 19th, 2006 Nicht kommentiert Unter: Eisschnelllauf

Silberne Pechstein-Maßarbeit bei Rekord-Wochenende in Calgary

2.Tag

Auch am zweiten Tag purzelten in Calgary noch einmal Weltrekorde. Zwar verfehlte Cindy Klassen (Kanada) ihren eigenen 1500-m-Weltrekord um wenige Hundertstel, doch im Mehrkampf kam sie am Ende auf vorher kaum für möglich gehaltene 154,580 Punkte und unterbot damit ihren erst acht Wochen alten Weltrekord um zweieinhalb Punkte. Silber gewann Claudia Pechstein mit einer unglaublichen letzten 5000-m-Runde, mit der sie die Kanadierin Kristina Groves noch um drei Hundertstel auf den Bronzerang verdrängen konnte. Pechsteins 158,265 Punkte sind zudem Deutscher Rekord, womit sie die letzte von Gunda Niemann-Stirnemann gehaltene Bestmarke klar unterbot. Auch Daniela Anschütz-Thoms blieb in 160,374 noch deutlich unter der Niemannschen Bestmarke (161,479), verbesserte zudem ihre 5000-m-Bestleistung um sechs Sekunden – in dem Klassefeld dieser WM war dies aber dennoch “nur” Rang sechs. Auch Lucille Optz lief über 1500 m noch einmal persönliche Bestzeit und wurde 17.

Bei den Männern gab es am zweiten Tag Weltrekorde auf beiden Distanzen ebenso wie im Vierkampf. Nachdem Shani Davis (USA) die 1500-m-Bestmarke auf 1:42,68 verbessert hatte, lief Sven Kramer (Niederlande) über 10’000 Meter in 12:51,60 min fast vier Sekunden schneller als Chad Hedrick im Dezember in Salt Lake City. Hedrick selbst setzte dann den möglichen Sieg und Weltrekord durch einen mit Disqualifikation bestraften Wechselfehler in den Sand. Den Mehrkampf-Weltrekord holte sich am Ende Shani Davis zurück, der mit 145,742 Punkten drei Punkte (!) unter Hedricks Rekord vom Januar blieb. Auch Vizeweltmeister Enrico Fabris (Italien), Bronzegewinner Kramer sowie Eskil Ervik (Norwegen) als Vierter blieben noch unter der Hedrick-Marke. Erhobenen Hauptes kann auch Tobias Schneider aus Calgary zurückkommen, der seinen 16. Platz mit drei persönlichen Bestmarken (nach 500 und 5000 auch 1500).

Stimmen aus Calgary:

Helge Jasch, Teamchef der deutschen WM-Mannschaft: “Was die kleine deutsche Mannschaft hier geleistet hat, war enorm, und das bezieht sich auf alle vier Starter. Am Ende der Saison nochmal so viel draufzupacken, das nötigt schon Respekt ab. Für die Kanadier war es hier ein echtes Heimspiel, denn so voll war die Halle hier seit Olympia 1988 nicht. Sie haben einen unglaublichen Aufschwung zur zeit, ich glaube, da können wir uns in Richtung Vancouver auf was gefasst machen.”

Tobias Schneider: “Schade, dass ich die 10’000 Meter verpasst habe. Insgesamt bin ich aber mit dem Ergebnis sehr zufrieden, vor allem meine 500-m-Zeit hat mich selbst verblüfft. Jetzt bin ich aber froh, dass die Saison vorbei ist, das Oval-Finale nächste Woche hier ist kein Thema für mich.”

Joachim Franke, Trainer von Claudia Pechstein: “Das war wirklich Maßarbeit von Claudia. Es war natürlich ein kleiner Vorteil, dass wir über 5000 m im letzten Paar waren und wussten, was wir laufen mussten, um Groves noch abzufangen. Aber als Trainer kann man zwar die Zeiten vorgeben, aber laufen muss sie der Sportler. Und wie Claudia die letzte Runde gelaufen ist, Hut ab! Damit ist eine insgesamt sehr gute Saison noch einmal sehr gut zu Ende gegangen. Cindy war diesmal eine Klasse für sich, aber im nächsten Jahr werden die Karten neu gemischt.”

Stephan Gneupel, Trainer von Daniela Anschütz: Bis auf die 500 Meter, aber das kam nicht überraschend, können wir sehr zufrieden sein. Bestleistungen über 3000 und 5000 Meter sowie im Vierkampf, nach so einer Saison, das war Klasse. Mit ein bisschen anderen Ansetzungen wäre vielleicht sogar noch ein bisschen mehr drin gewesen, aber wir sind auch so zufrieden.”

1.Tag

Am ersten Tag der Mehrkampf-Weltmeisterschaften auf der schnellen Bahn von Calgary gab es wieder etliche Rekorde. Claudia Pechstein verbesserte ihren Deutschen Rekord über 3000 Meter, vor vier Jahren bei ihrem Olympiasieg in Salt Lake City gelaufen, um 35 Hundertstel auf 3:57,35 Minuten. Doch 1500-m-Olympiasiegerin Cindy Klassen (Kanada) lief unglaubliche vier Sekunden schneller und verbesserte ihren eigenen Weltrekord um weitere zweieinhalb Sekunden auf 3:53,35. Klassen gewann auch die 500 Meter und führt nach dem ersten mit mehr als zwei Punkten Vorsprung deutlich vor Claudia Pechstein, die auch über 500 m neue persönliche Bestzeit lief. Nach persönlicher Bestzeit über 3000 Meter rangiert Daniela Anschütz-Thoms auf Rang sechs. Die 4-Minuten-Marke, die weltweit erst sechs Läuferinnen unterboten haben, verpasste sie um 44 Hundertstel. Lucille Opitz (mit 500-m-Bestzeit) liegt auf Rang 17.

Bei den Herren gab es über 5000 Meter einen hochklassigen, engen Einlauf: Mit 6:09,97 min war Sven Kramer (Niederlande) nur eine Hundertstel vor Chad Hedrick (USA), ebenfalls mit Weltklassezeiten um 6:10 folgten Enrico Fabris (Italien) und Shani Davis (USA) dichtauf. Nach zwei Strecken führt Davis vor Hedrick, Davis und Kramer, während Tobias Schneider als 13. noch Hoffnungen auf die 10’000-m-Qualifikation hat (dazu müsste er sich nach dem 1500 m um einen Platz verbessert haben). Der Berliner lief sowohl über 500 m als auch über 5000 m persönliche Bestzeit. Insgesamt konnten 33 der 48 teilnehmenden Läufer persönliche Bestzeiten verbessern.

Claudia Pechstein: “Besser kann es gar nicht laufen, ich bin absolut glücklich. Das Eis liegt mir, weil es so schön gleitet. Ganz anders als in Turin, wo ich so kämpfen musste. Aber Respekt für Cindy. Sie war sehr stark, manch ein Mann wäre froh über so eine Zeit. Sie wird den ersten Platz nun locker nach Hause laufen, aber dahinter ist alles möglich.”

Ergebnisse

Berlin: Gastgeber sowie Erfurter räumten ab / Beckert lief “Hattrick”

Bei den Deutschen Junioren-Meisterschaften auf den Einzelstrecken (16-19) in Berlin-Hohenschönhausen teilten sich die Gastgeber sowie Erfurt in die elf vergeben Meistertitel. Sechsmal gewann ein Berliner (dazu je fünfmal Silber und Bronze), fünfmal ein Erfurter (dazu einmal Silber, zweimal Bronze). Die verbleibenden Medaillen (fünfmal Silber, viermal Bronze) gingen nach Sachsen. Erfolgreichste Teilnehmer waren die Erfurterin Stephanie Beckert mit drei Titeln sowie Arne Becker (Berlin) und Eric Rauschenbach (Erfurt) mit je zwei. Die mögliche dritte Goldmedaille verpasste Becker über 1500 m um zwei Hundertstel. Für einen neuen Deutschen Rekord der Junioren U 19 sorgte Jennifer Plate (Berlin) über 2x 500 Meter (81,50 Pkt.). B-Junioren-Rekord (U 17) lief der Chemnitzer Alexej Baumgärtner über 3000 m (4.05,01).

Bei den Meisterschaften der C-Junioren (14/15) im Sprint-Vierkampf an gleicher Stelle gab es zwei Meistertitel für Inzell (Hubert Hirschbichler, Roxanne Dufter) und einen für Dresden (Jennifer Bay).

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