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Alles zum Eisschnelllauf - Neuigkeiten und Ergebnisse

Karolína Erbanová mit vier Titeln

Autor: Dirk Gundel Sunday, February 27th, 2011 Nicht kommentiert Unter: Eisschnelllauf
DESGphoto Karolína Erbanová DESGphoto / L. Hagen

Die Junioren Weltmeisterschaften im Eisschnelllauf im finnischen Seinäjoki wurden die Festspiele der Tschechin Karolína Erbanová, die vier der fünf Einzeltitel bei den Mädchen gewann. Auch auf den anderen Einzelstrecken dominierten die Favoriten, während es in den Teamläufen die Topfavoriten nicht schafften. Die deutschen Junioren hatten anhand der Vorleistungen ohnehin nur geringe Chancen und konnten sich in Finnland auch nicht mehr steigern.

In der Königsdisziplin Mehrkampf sicherte sich Erbanová den Sieg recht deutlich vor den beiden Niederländerinnen Pien Keulstra und Lotte van Beek. Dahinter folgte mit Miho Takagi eine weitere Läuferin, die bereits im Weltcup für Furore sorgte. Von den ersten 10 der Rangliste sind sieben Mädchen auch im nächsten Jahr noch bei den Juniorinnen startberechtigt. Pien Keulstra und Miho Takagi dürfen sogar noch 2013 bei den Junioren antreten. Angesichts dieser Ausgangssituation sind die Chancen deutscher Läuferinnen in den nächsten Jahren eher gering.

Über 500 Meter konnte die Kasachin Jekaterina Ajdova ihren Vorsprung nach dem 1.Lauf nicht verteidigen und musste sich der Mehrkampfsiegerin knapp geschlagen geben. Bronze ging an die 16jährige Hyeon-Yeong Kim aus Südkorea, die sich damit um fünf Plätze gegenüber den letzten Titelkämpfen verbessern konnte. Doreen Lamb kam nach einem missglückten ersten Lauf am dritten Tag deutlich besser zurecht und schob sich mit der achtbesten Laufzeit noch auf Rang 14 vor. Dies war dann aber auch die beste Platzierung der deutschen Mädchen auf einer Einzelstrecke.

Über die 1000 Meter war Karolína Erbanová nicht zu gefährden. In 1.21,41 min sorgte sie für ein glänzendes Ergebnis bei schwierigen Bedingungen. Hinter der Norwegerin Hege Bøkko überraschte Kali Christ aus Kanada mit der Bronzemedaille. Doreen Lamb kam hier auf Platz 21 und lag damit in etwa in dem erwarteten Bereich.

Der vierte Streich gelang Erbanová über 1500 Meter, wo sie Pien Keulstra und Hege Bøkko auf die Plätze verwies. Miriam Neumann kam auf den 36.Platz und blieb damit ebenfalls in dem erwarteten Rahmen.

Das die Koreaner längst nicht nur im Sprint eine Macht sind, das bewies Seung-Hoon Lee bei seinem Olympiasieg über 10000 Meter in Vancouver. Das die koreanischen Damen an diesen Erfolg bald anknüpfen können, zeigte sich über 3000 Meter und im Teamlauf. Do-Yeong Park und Bo-Reum Kim feierten einen souveränen Doppelsieg über die 3000 Meter und zusammen mit der sechstplatzierten Lim auch den Sieg im Teamlauf. Pien Keulstra sicherte sich ebenfalls souverän die Bronzemedaille über 3000 Meter, ging dann aber nach einer Disqualifikation im Teamlauf leer aus. Silber ging hier an Japan, Bronze an Kanada.  Die deutschen Mädchen konnten die Polinnen hinter sich lassen und kamen letztlich auf Rang neun, mehr war auch nicht erwartet worden. Jessica Beckert hatte zuvor über 3000 Meter Platz 17 belegt.

DESGphoto Sverre Lunde Pedersen DESGphoto / L. Hagen

Bei den Junioren trat mit Sverre Lunde Pedersen der Sechste der Europameisterschaft der Herren an und wurde seiner Favoritenrolle gerecht. Im Vierkampf siegte der Norweger vor seinen Landsleuten Simen Spieler Nilsen und Kristian Reistad Fredriksen. Alle drei sind auch noch im nächsten Jahr für die Junioren startberechtigt. Für die erfolgsverwöhnten Niederländer rettete Maurice Vriend am Ende noch den vierten Platz, vor dem Chinesen Balin Li, der ebenfalls 2012 noch Junior ist.

Über die 500 Meter musste sich der Weltjahresbeste Laurent Dubreuil aus Kanada mit Silber begnügen. Der Titel ging auch hier nach Südkorea an Seong-Kyu Kim. Tsubasa Hasegawa holte die Bronzemedaille nach Japan, der erst vor wenigen Tage 17 Jahre alt gewordene Asiate behauptete sich knapp vor dem Russen Denis Koval. Im deutschen Nachwuchs gibt es derzeit kein Sprinttalent, so dass nur Allrounder Philipp Steinert im ersten Lauf antrat (Platz 40).

Am Abschlußtag fanden dann die 1000 Meter statt, wobei etliche Athleten zugunsten des Teamlaufs verzichteten. Gold ging erneut an den Koreaner Seong-Kyu Kim, der die Konkurrenz um eine Sekunde distanzierte. Silber gewann sensationell der Finne Tommi Pulli, vor dem Niederländer Maurice Vriend. Philipp Steinert belegte den 17.Platz.

Die 1500 Meter wurden zu einer sicheren Beute von Sverre Lunde Pedersen, vor dem Chinesen Bailin Li und dem vierten norwegischen Topläufer Håvard Holmefjord Lorentzen. Lukas Tauchmann und Philipp Steinert belegten die Ränge 27 und 28.

Richtig spannend, auch aus deutscher Sicht, wurde es über die 5000 Meter. Vor allem Jonas Pflug konnte eine Top-Ten Platzierung zugetraut werden. Am Ende fehlten 1,3 Sekunden zum zehnten Rang, für Ihn Platz 13 und Platz 18 für Willi Koschel.

Der Sieg ging nur hauchdünn an Pedersen, der am Ende die Winzigkeit von 0,08 sec vor Kristian Reistad Fredriksen lag. Bronze holte sich der jüngste Norweger, Simen Spieler Nielsen.

Theoretisch war damit auch im Teamlauf die Goldmedaille den Norwegern nicht zu nehmen. Doch nach dem schnellsten Vorlauf, stürzte der Favorit im Finale und so kamen die Niederländer doch noch zu ihrem Titel. Dem deutschen Team fehlten zwei Sekunden zum Einzug in das kleine Finale, so wurde es am Ende der etwas enttäuschende achte Platz, während die Japaner die Bronzemedaille gewannen.

In der Wertung der besten Nation nach olympischen Modell (Platz 1= 7 Pkt. Platz 2=5 Pkt. bis Platz 6=1 Pkt.) siegte erstmals überhaupt das Team aus Norwegen.

1 Norwegen 64 Punkte (3xGold, 4x Silber, 4x Bronze, 1xVierter, 1xFünfter, 1x Sechster)

2 Niederlande 51 Punkte (1/2/3/5/3/1)

3 Südkorea 48 Punkte (4/1/1/0/2/7)

4 Tschechien 28 Punkte (4/0/0/0/0/0)

5 Japan 24 Punkte (0/1/2/3/1/0)

6 Kanada 18 Punkte (0/1/2/0/2/1)

7 China 11 Punkte (0/1/0/0/3/0)

8 Russland 7 Punkte (0/0/0/2/0/1)

9 Finnland 5 Punkte (0/1/0/0/0/0)

9 Kasachstan 5 Punkte (0/1/0/0/0/0)

11 USA 3 Punkte (0/0/0/1/0/0)

12 Italien 1 Punkt (0/0/0/0/0/1)

Für Deutschland gab es nicht ganz unerwartet eines der schlechtesten Ergebnisse der Historie. Zwar fällt der derzeitige Jahrgang durchaus nicht im Vergleich zu den Jahrgängen davor ab, aber die Weltspitze auch im Juniorenbereich ist deutlich schneller und vor allem breiter geworden. Das größte Problem der DESG ist die schmale Athletenbasis. Ausfälle von Sportlern können nicht kompensiert werden. Gerade in den Ländern auf den Plätzen 1 bis 8 (Ausnahme Tschechien) finden Qualifikationswettkämpfe mit bis zu 200 Teilnehmern statt, um die Felder für die nationalen Juniorenmeisterschaften zu begrenzen.  Zudem bestätigte sich auch in diesem Jahr der Trend, dass die Athleten die viele harte Wettkämpfe in den Beinen haben, auch die Junioren-WM erfolgreich gestalten. Für die Asiaten, aber auch die Norweger und Niederländer ist der Vergleich mit den jeweils Besten des Landes bei Meisterschaften und Ausscheidungen Standard.  Die DESG geht hier mittlerweile als weltweit einziger Verband einen anderen Weg.

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