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Alles zum Eisschnelllauf - Neuigkeiten und Ergebnisse

Disqualifikationswirrwarr in Heerenveen

Autor: Dirk Gundel Sunday, November 7th, 2010 ein Kommentar Unter: Eisschnelllauf
DESGphoto Jorien Voorhuis DESGphoto / L. Hagen

Eisschnelllaufen soll nach Ansicht des Weltverbandes ISU spannender, schneller und sicherer werden. Die neueste “Wunderwaffe” heißt, “Disqualifikationswirrwarr”. Der Trick: “Nach dem Rennen weiß niemand wer wirklich gewonnen hat.” So auch am Sonntag in Heerenveen, während die Zuschauer noch der schnellsten 5000 Meter Läuferin huldigten, war diese längst durch die Referees disqualifiziert. Jorien Vorhuis war insbesondere in den ersten Runden auf der Außenbahn laufend immer wieder über die Mittellinie gekommen. Die an diesem Tag sehr wohlwollenden Schiedsrichter konnten hier kein Auge zudrücken und erklärten Moniek Kleinsman zur Siegerin. Eigentlich, bei strenger Auslegung der Regeln, hätten auch der Erste und Zweite über 1500 Meter der Herren disqualifiziert werden müssen, das war dann aber den Referees doch zuviel des Guten.

Sportler, Offizielle und Berichterstatter in den Niederlanden sind derzeit in seltener Eintracht, beim Weltcup in Heerenveen sollen alle Teilnehmer aufgefordert werden, mit Absicht zumindest einmal die Linien zu überlaufen. Damit soll gegen den: “Irrsinn” (Zitat Reporter NOS)  der ISU-Regelwächter protestiert werden. In Deutschland sind es meist die Sportler die gegen die Regeln sturmlaufen, die Offiziellen vertreten zumindest nach Außen die Linie der ISU. Zwar kann die Regel auch bei einem erfolgreichen Protest in Heerenveen nicht zurück genommen werden, doch zumindest eine Aussetzung bis zum nächsten ISU-Kongress wäre möglich.

Rein sportlich waren es die Herren die in Heerenveen für die Schlagzeilen sorgten. Simon Kuipers siegte am Schlußtag in 1.44,81 min über 1500 Meter vor Mark Tuitert (1.45,86). Beide Sportler überliefen dabei deutlich die Mittellinie, die Referees sahen darüber ebenso hinweg, wie beim Siebtplatzierten Remco olde Heuvel (1.48,04) der kurz vor dem Ziel sehr deutlich die Mittellinie überquerte. Am Ende blieben 19 Läufer unter der Marke von 1.50,00. Erneut gescheitert ist die große Niederländische Hoffnung Koen Verweij, der in 1.47,76 nur Sechster wurde.

Über 10000 Meter war es einmal mehr Bob de Jong, der sich mit einem Steigerungslauf den Sieg sicherte. In 12.59,95 min übernahm er auch deutlich die Führung in der Weltrangliste. 5000 Meter Meister Bob de Vries bestätigte als Zweiter (13.08,13) seine glänzende Form. Jorrit Bergsma wurde wie über 5000 Meter auch auf dem langen Kanten Dritter. Überraschend nur Achter wurde Mitfavorit Wouter olde Heuvel.

Bei den Damen sind die Langstrecken derzeit das “Problemkind”. Moniek Kleinsman lief als Siegerin über 5000 Meter 7.15,61, die disqualifizierte Voorhuis war nur wenige Hunderstel schneller. Silber ging an Carlijn Achtereeke, die ihre Bestzeit um 6 Sekunden verbessern konnte, Bronze an Marije Joling, die in 7.19,49 fast 10 Sekunden unter ihrer alten Bestzeit blieb.

Über 1500 Meter war das Niveau ungleich höher, Ireen Wüst (1.57,33) und Marrit Leenstra (1.57,39) erzielten Weltklassezeiten, und auch noch die Elftplatzierte Marije Joling (2.00,57) war schneller als die Deutsche Meisterin. Das sich solche Quervergleiche allerdings verbieten, haben die letzten Jahre gezeigt. In Heerenveen herrschten optimale Bedingungen und die Sportler müssen bereits ihre allerbeste Leistung bringen, um sich überhaupt für das Weltcupteam zu qualifizieren.

In Hamar verhinderte Hanne Haugland mit ihren 500 Meter Sieg den totalen Durchmarsch des Duos Ida Njåtun und Håvard Bøkko. Am zweiten Wettkampftag siegte Njåtun in 1.18,79, knapp vor Hege Bøkko über 1000 Meter, sowie in 4.16,72 vor Mari Hemmer (4.17,92) über 3000 Meter.

Bei den Herren gewann Bøkko über 1000 Meter überraschend deutlich in 1.10,45 vor Christoffer Fagerli Rukke und Junior Håvard Holmefjord Lorentzen. Auf der 5000 Meter Strecke leistete “Oldie” Øystein Grødum erheblichen Widerstand, konnte in 6.29,23 min den erneuten Sieg von Håvard Bøkko (6.26,74) nicht verhindern. Hinter dem Drittplatzierten Henrik Christiansen (6.33,09) klaffte dann aber ein großes Leistungsloch.

Insgesamt konnten die Junioren bei den norwegischen Meisterschaften überzeugen, sie gewannen 10 der 12 Medaillen bei den Damen, und schafften vier Mal die Qualifikation für den Weltcup bei den Herren.

One response to “Disqualifikationswirrwarr in Heerenveen”

  1. Korvin says:

    Super Berichterstattungen des Wochenendes von den deutschen, norwegischen und holländischen Meisterschaften.
    Macht so weiter.
    Danke