Judith zurück bei Olympia

AUTHOR: DESG Monday, February 12, 2018 TOPIC: Olympia

DESGphoto Judith Dannhauer DESGphoto / L. Hagen

Judith Dannhauer hat mit Olympia so ihre besonderen Erfahrungen. Mal nach einem Fehlstart disqualifiziert (in Sotschi), ein indiskutabler Rang (23.) in Vancouver. 19. wurde sie 2006 in Turin. „Also muss mein Ziel die beste 500-m-Platzierung bei den Spielen sein. Müsste eigentlich möglich sein“, meint die Sprinterin. Am Mittwoch startet die Erfurterin über 1000 m auf ihrer „Nebenstrecke“, am 18.2. geht es auf der kurzen Distanz wirklich zur Sache. „Was soll ich sagen, die Form ist gut. Da müsste das beste Rennen des Winters am Tag X möglich sein.“

Kein Aber, jedoch Vorkehrungen, damit nichts schiefgeht, sind in Gangneung Pflicht. Ein Virus kursiert, Kälte und dieser eisige Wind sind fast unerträglich. „Ich kenne meinen Körper und versuche vorzubeugen, unser Verbandsarzt gab uns auch Tipps“, meint die 35-Jährige, die Handschütteln sowieso vermeidet. Im Eisschnelllauf-Oval sind Hammerzeiten möglich, weil die Luftfeuchtigkeit von den aus Calgary angeheuerten Eismeistern auf 27 Prozent gedrückt wird. Für die Schleimhäute sind solche Herausforderungen aber Gift. Es hüstelt nonstop im weiten Rund, die Nasen laufen.

„Sport ist gesund, wenn man ihn in Maßen betreibt. Aber eben nicht in Massen“, witzelt Judith Dannhauer. Die Bundespolizistin kann damit umgehen, hat sich immer wieder zurückgekämpft. Auf eine ganz andere Art seit der Geburt ihres Sohnes Arthur. Nach der Baby-Pause wieder auf den schnellen Kufen, versuchte sie den immensen Trainingsrückstand zu kompensieren – und gleichzeitig eine perfekte Mama zu sein. „Nur was dem Kleinen guttun“ lautet ihre Maxime. Sie organisierte ihren Staff an Familienmitgliedern und Vereins-Hilfen. „Jetzt ist der Papa zuhause, das tut beiden gut.“ In Korea kommen Video-Bilder mit dem Knirps aus Erfurt an. Telefonieren sei weniger ideal, weil „die Mama dann auf Knopfdruck“ plötzlich wieder im Off verschwindet.

Judith war schon WM-Sechste, gewann einen Weltcup. Aber durch die lange Unterbrechung war die absolute Weltspitze enteilt. Dennoch: einen zweiten Karriere-Anlauf („und bei Null zu beginnen“) zu wagen, erfordert Hochachtung. Auch für die DESG ist es ein Segen – gerade der Sprint der Damen ist seit dem Rücktritt von Ex-Weltrekordhalterin Jenny Wolf ein Problemfall. Doch seit dem Weltcup im letzten Monat spüren die Besten wieder den Atem der Thüringerin: mit 38,56 Sekunden gelang ihr die schnellste Performance auf der heimischen Bahn, belegte über 500 Meter die Plätze 7 und 8.

„Mein Körper findet sich jetzt in dieser Zeitzone zurecht, steht nicht mehr neben mir…“ Sie empfindet auch die zahlreichen Sicherheits-Kontrollen in Gangneung als „normal“, die längeren Transportwege beeinflussen ebenso wenig. Und dass die olympischen Medaillenrennen generell am Abend stattfinden, eher anders als bei den Weltcups? Über 1000 m beginnt die Hatz um 19 Uhr, gesprintet wird erst ab 21 Uhr. „Ich bin ein Wettkampf-Typ, ganz egal zu welcher Zeit,“ entgegnet Judith, die sich als „Langschläferin“ bekennt.

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