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Wer Eis läuft, darf auch Eis essen

Autor: Redaktion Saturday, June 3rd, 2006 Nicht kommentiert Unter: Eisschnelllauf

Die Mallorca-Zeitung im Gespräch mit der Mannschafts-Olympiasiegerin, Europameisterin und Vize-Weltmeisterin 2006 Claudia Pechstein / Interview: Sandra Müller

Claudia PechsteinClaudia Pechstein, geboren am 22. Februar 1972 in Berlin, ist die erfolgreichste deutsche Winter-Olympionikin aller Zeiten: Neun Medaillen, darunter fünf goldene, hat sie in ihrer Sammlung. Bereits achtmal war sie auf Mallorca, darunter 2003 und 2004 zum Trainieren. Jetzt leitete sie mit Mario Lange zusammen die Skater-Woche im Robinson Club Cala Serena und hängte noch ein paar Tage Urlaub an.

Ihre Eltern haben Sie mit drei Jahren zum Eiskunstlauf gebracht, um Sie ein bisschen müde zu kriegen. Waren Sie so ein anstrengendes Kind?

Das müssen Sie meine Eltern fragen! Aber ich war auf jeden Fall hyperaktiv. Als ich dann jeden Tag Training hatte, war das eine gute Therapie.

Warum sind Sie zum Eisschnelllauf gewechselt?

Die Sprünge habe ich sehr gut gemacht, aber ich hatte keine künstlerische Ader, und dann sollte ich Paarlaufen machen. Ich wollte mich aber nicht in der Luft herumwerfen lassen, da dachte ich, ich probiere es mal in der Halle nebenan beim Eisschnelllauf.

Die Olympiasiegerin von 1992 im Eisschnelllauf, Jacqueline Börner, sagt über Sie, Sie seien sportlich längst eine Größe, hätten sich aber auch als Persönlichkeit weiterentwickelt. Was hat sie damit gemeint?

Ich denke, sie spielt darauf an, dass ich auch abseits der Eisbahn in den vergangenen Jahren einiges gemacht habe. Ich habe zum Beispiel Sendungen moderiert, da hatte ich zwar keine Ahnung, aber ich denke, dass ich mich da trotzdem relativ gut geschlagen habe.

Sind Sie unerschrockener als früher?

Man lernt von Jahr zu Jahr dazu. Als 1992 die Kamera auf mich zukam, war das natürlich etwas anderes als jetzt.

Was ist Ihre größte Stärke?

Hm, schwierig. Auf dem Eis kann ich ganz gut kämpfen, im normalen Leben auch, sonst wäre ich nicht so weit gekommen.

Sie sind ja 2002 beim Olympiasieg über 5000 Meter durch alle Medien gegangen, weil Sie eine Perücke in Deutschland-Farben trugen. Wessen Idee war das?

Mein Management und ich haben vorher überlegt, was wir machen, wenn es klappt. Und mittlerweile ist es so weit gekommen, dass die Perücke in Bonn im Haus der Geschichte gelandet ist. Das hätte ich damals, als ich sie anzog, natürlich nie geglaubt.

Was ist Ihr heimliches Laster?

Ich nasche gern. Ich sage mir immer, wer Eis läuft, darf auch Eis essen. Bei Schoko und Vanille, da kann man nie was falsch machen.

Sie haben freizügige Fotos von sich machen lassen, geben dem “Playboy” aber immer wieder einen Korb. Warum?

Man kann erotische Fotos machen lassen, wie die, die es von mir gibt, das ist okay. Beim “Playboy” ist noch mehr zu sehen, das muss nicht unbedingt sein.

Wie ist Ihr Verhältnis zu Anni Friesinger, jetzt, nachdem Sie in Turin gemeinsam Mannschaftsgold geholt haben?

Wir sind nach 2002, wo das Zicken-Duell aktuell war, vier Jahre älter geworden. Wenn man im Team läuft, muss man auch ordentlich miteinander reden, daher ist die Kommunikation besser geworden. Dass ich mich mit Anni jetzt verabreden würde, komm wir fahren gemeinsam Kaffee trinken oder gehen auf ein Konzert, das mache ich sicherlich nicht.

Sie laufen ja auch mal mit einem beginnenden Infekt wie im November 2005, sind Sie sehr hart zu sich?

Als normaler Mensch würde man sich mal eine Woche ins Bett legen, aber im Sport ist manchmal keine Zeit dafür, da muss man abwägen, Gesundheit gegen Leistung.

Sie sind 34 Jahre alt, was kommt nach dieser Ausnahmekarriere?

Ich bin Beamtin auf Lebenszeit bei der Bundespolizei, daher bin ich beruflich abgesichert. Ich gucke, wie lang ich noch Lust und Spaß habe und Leistung bringe. Aber ich werde auf jeden Fall in Verbindung mit dem Sport bleiben.

Nehmen Sie in vier Jahren an Olympia teil? Gunda Niemann-Stirnemann hat ja auch mit 38 Jahren noch einmal angefangen.

Grundsätzlich denkbar wäre das schon, ich will mich aber noch nicht festlegen. Ich sehe das von Jahr zu Jahr.

Wie bringen Sie seit Jahren diese Trainingsdisziplin auf?

Mein Trainer Joachim Franke hat ganz großen Anteil daran. Wenn er nicht wäre, würde ich auch manchmal sagen, ich habe keine Lust.

Werden Sie auf Mallorca eigentlich als Claudia Pechstein erkannt?

An der Ostküste öfter, in Palma nicht so. Das ist mir aber auch ganz lieb. Denn dann kann ich machen, was ich will.

Das Interview erschien im Mai in der Mallorca-Zeitung. Leicht gekürzte Veröffentlichung auf desg.de mit freundlicher Genehmigung der Autorin Sandra Müller – Originaltext

Foto: Lars Hagen – Alle Rechte beim Bildautor
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Homepage von Claudia Pechstein: https://www.claudia-pechstein.de/

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