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Marco Weber: Olympia 2010 im Blick

Autor: Redaktion Mittwoch, März 21st, 2007 Nicht kommentiert Unter: Eisschnelllauf

„Unterwegs noch die Kurve bekommen“

Für den Chemnitzer Marco Weber gingen in dieser Saison nicht alle Wünsche in Erfüllung Von Thomas Treptow

Ein Beitrag aus der Zeitung Freie Presse, Veröffentlichung auf desg.de (leicht gekürzt) mit freundlicher Genehmigung des Autors

Chemnitz.Entspannt rührt Marco Weber im Cappuccino. Die WM in Salt Lake City ist seit ein paar Tagen Geschichte. Vor dem Chemnitzer liegen 14 freie Tage. Zeit, um auszuruhen, um im Cafe zu sitzen, um an etwas anderes zu denken als an Eisschnelllauf. Einfacher gesagt als getan. „Es fällt mit schwer abzuschalten. Eigentlich beschäftige ich mich 24 Stunden am Tag mit Eisschnelllauf“, sagt der 24-Jährige und schmunzelt.

Es ist kein zufriedenes Lächeln. Dafür gingen in der zurückliegenden Saison nicht alle Wünsche in Erfüllung. „Definitiv ist zu wenig herausgekommen. Auch wenn wir es mit dem achten Rang in Salt Lake noch herumgerissen haben“, wertet Marco Weber. Mit „wir“ meint der Angehörige der Bundespolizei sich und seinen Trainer Jan Coopmans. Das Gespann hat sich für den Weg zu einer Medaille bei den Olympischen Spielen 2010 einen Plan zurecht gelegt. „In den ersten drei Jahren unserer Zusammenarbeit wollten wir ein bestimmtes Niveau erreichen und in den nächsten drei Jahren alles herausholen.“

Jetzt sind beiden bei der Hälfte angelangt. Nach einer Saison, die für alle deutschen Männer viel Neues brachte. Angefangen von Bundestrainer Bart Schouten bis hin zur Zentralisierung in Berlin. „Dadurch mussten wir uns anpassen, anstatt unseren eigenen Weg zu gehen. Zum Glück haben wir das unterwegs kapiert, die alten Erfahrungen ins Spiel gebracht und mehr allein trainiert“, erzählt der Kufenflitzer vom EC Chemnitz, der zum Ende der Saison immer stärker wurde. Planmäßig, denn der gesamte trainingsmethodische Aufbau war auf die Einzelstrecken-WM in Übersee ausgerichtet.

Auf dem „Sahneeis“ von Calgary und Salt Lake City stellte Weber über 5000 bzw. 10“000 Meter jeweils neue Bestleistungen auf. Damit widerlegte er Kritiker, die ihn als reinen Kraftläufer abstempeln. „Das ist der Beweis, dass ich nicht nur auf schweren Bahnen schnell sein kann“, erklärt der WM-Siebente von 2005 in Inzell zufrieden. Kein Wunder, zeigten doch auch kleine Korrekturen Wirkung: „Auf schnellem Eis haben es leichte Läufer leichter. Langfristig habe ich deshalb etwas Gewicht vom Oberkörper nach unten in die Beine verlagert“, erklärt Marco Weber.

Ende gut, alles gut? Nein, die verpasste EM in Klobenstein, der verkorkste Weltcup-Auftritt in Heerenveen oder der 13. Rang im Langstrecken-Weltcup passen ihm nicht in den Kram. Allerdings lernt der ehrgeizige Athlet daraus. „Am Anfang habe ich über 5000 Meter zu viel liegen lassen. Sonst könnte ich im Weltcup unter den Top Ten sein. Und die schweren 10“000 Meter bei den Meisterschaften in Erfurt würde ich eine Woche vor dem Weltcup nicht noch einmal laufen“, denkt der mehrfache deutsche Titelträger über Fehler nach.

Sie gilt es mit dem Trainer zu analysieren, notfalls in seitenlangen E-Mails. „Die Richtung bei uns Männern stimmt. Aber wir müssen die Feinabstimmung unbedingt verbessern. Deswegen laufen Gespräche, unter anderem zwischen Coopmans und Schouten“, sagt Marco Weber und preist die Vorzüge des neuen Chefs. „Auf der mentalen Schiene hat er viel getan. Wir Deutschen sind nicht schlechter als die anderen und im Training brutal stark. Wir bringen es nur noch nicht auf die Bahn.“ Dass die Schneider, Lehmann, Weber & Co. deswegen keine Wunder vollbringen müssen, zeigte ihnen das gemeinsame Training mit Olympiasieger Bob de Jong (Niederlande) in Berlin. „Er hat die gleichen Probleme wie wir. Bob ist auch kein anderer Mensch“, erzählt der Chemnitzer.

Marco Weber “ der nach sieben Jahren im Weltcup effektiver und weniger blind vor Ehrgeiz auf sein Ziel hinwirkt “ hat sich in Form geredet. Er wertet mit Leidenschaft Niederlagen und Erfolge aus. Er kritisiert Probleme in seinem Heimatverein, welcher auf der Suche nach einem neuen Präsidenten ist, und er spricht über seine Zukunft. Diese ist zu 100 Prozent auf Vancouver 2010 ausgerichtet. Aber er denkt weiter, fängt im April eine Ausbildung an der Trainerakademie in Köln mit dem Ziel A-Lizenz an. „In drei Jahren bin ich 28 Jahre, wer weiß, was dann passiert. So lasse ich mir zwei Möglichkeiten offen. Entweder ich mache weiter oder ich arbeite als Trainer“. Egal, was passiert, mit Eisschnelllauf hat es bestimmt zu tun. Davon kommt Marco Weber nicht los, selbst an seinen freien Tagen. Das Handy klingelt. Am anderen Ende ist der Trainer.

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