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Debüttitel für Angermüller und Lehmann

Author: Dirk Gundel Friday, November 5th, 2010 No Commented Under: Eisschnelllauf
DESGphoto Monique Angermüller DESGphoto / L. Hagen

Während die Deutsche Meisterschaften in gewohnter Tristesse vor leeren Rängen stattfanden, gab es Dramatik pur bei den Niederländischen Meisterschaften in Heerenveen.

In Erfurt standen die Problemstrecke 1500 Meter der Frauen und Herren auf dem Programm. Früher eine Domäne der Deutschen, ist mittlerweile auf dieser Strecke das größte Leistungsloch in der DESG entstanden.

Bei den Herren sicherte sich Robert Lehmann seinen ersten nationalen Titel, blieb dabei jedoch mit 1.49,49 min deutlich hinter der Weltklasse zurück. Samuel Schwarz reservierte sich mit 1.49,78 min das zweite Weltcupticket für Heerenveen, dahinter brachte sich Jörg Dallmann auf seiner “Abschiedstournee” in Stellung und kam in 1.50,00 auf Rang Drei. Für Heerenveen reicht dies jedoch nicht, da es dort nur noch zwei Startplätze für die DESG gibt.

Randnotiz: ein kleines Ziel bzw. einen Erfolg erreichte heute der Berliner Trainer André Unterdörfel: mit den Platzierten über die 1500m der Herren füllte er zum ersten Mal das gesamte Podium in seiner noch jungen Trainerlaufbahn mit bei ihm trainierenden Sportlern. SpeedSkatingNews.info gratuliert!

Bei den Damen konnte Monique Angermüller ebenfalls den ersten nationalen 1500 Meter Titel erringen, musste sich aber nach einem “Einbruch” in der Schlussrunde mit einer Zeit von 2.01,01 begnügen. Hier machte sich der zweiwöchige Trainingsausfall wegen einer Virusinfektion deutlich bemerkbar. Zudem behindert die Berlinerin noch eine muskuläre Verspannung, die gestern einen Start auf der zweiten 500 Meter Strecke verhinderten.

Silber sicherte sich Isabell Ost, die am Ende nur 0,08 Sekunden hinter der Siegerin lag. Die Dresdnerin Jennifer Bay, die mit viel Vorschusslorbeeren in die Meisterschaften ging, wurde ihrer Rolle erneut gerecht. Nach Silber und Bestzeit über 3000 Meter nun Bronze und wieder Bestzeit (2.02,57) über 1500 Meter. Damit ist die 19jährige auch sichere Kandidatin für den Teamlauf.

Zwar keine ausverkaufte, aber doch gut gefüllte Halle gab es in Heerenveen. Und insbesondere die Leistungen bei den Herren sorgten dann auch für die bekannt gute Stimmung. Ronald Mulder verbesserte gleich zweimal den Meisterschaftsrekord über 500 Meter und siegte dennoch nur hauchdünn. Nach Läufen von 35,12 und 35,11 sec lag er am Ende nur knapp von Jan Smeekens (35,19/35,12). Damit zählen Beide auch bei den Weltcups zu den Favoriten. Dahinter belegte Stefan Groothuis zweimal den dritten Rang, sein Problem ist der schlechte 100 Meter Angang. Mit Simon Kuipers, Lars Elgersma und Jan Bos blieben drei Arrivierte auf der Strecke, während mit Hein Otterspeer ein neuer Name in der Spitze auftauchte.

Bei den Damen waren Margot Boer (38,72 und 38,55) sowie Laurine van Riessen (38,70 und 38,63) eine Klasse für sich. Dahinter klaffte ein großes Loch, im ersten Lauf wurde “Altmeisterin” Marianne Timmer (39,39) Dritte, nach deren Sturz im zweiten Lauf sicherte sich Marrit Leenstra die Bronzemedaille. Für Timmer reicht es trotzdem für die Qualifikation zum Weltcup.

Über 5000 Meter der Herren sorgten die “Kasachen” Jorrit Bergsma und Jan Bovenhuizen früh für einen Paukenschlag. Bergsma und Bovenhuizen gehörten zur Trainingsgruppe die im Vorjahr nach Kasachstan wechseln wollten, da sie in den Niederlanden keine Qualifikationschance sahen. (wir berichteten). Im direkten Vergleich im sechsten Paar siegte Bergsma in 6.23,77 vor Bovenhuizen mit 6.24,57. Noch schneller war im Lauf danach Bob de Vries, der in 6.22,29 eine neue Weltjahresbestzeit aufstellte. Daran bissen sich weitere Favoriten die Zähne aus, das Riesentalent Koen Verweij fand nie ins Rennen und hatte so auch keine Chance sich für das Weltcupteam zu qualifizieren. Nach dem Verzicht von Sven Kramer galten Wouter olde Heuvel und Bob de Jong als große Favoriten. Während Bob gewohnt ruhig begann, legte Wouter ein Höllentempo vor und lag schon nach fünf Runden rund drei Sekunden unter den bisherigen Bestzeiten. Doch es kam wie es kommen musste, Wouter olde Heuvel wurde immer langsamer und in der Schlussrunde wurde er von Bob de Jong eingeholt, ungünstigerweise genau zum Eingang der Wechselgraden. Da olde Heuvel Vorfahrt hatte, musste der deutlich schnellere Bob de Jong abbremsen, berührte dabei olde Heuvel am Schlittschuh und hörte kurz auf zu laufen. Trotz dieses fast “Stillstehens” zog Bob de Jong am Ende noch vorbei und lief eine Zeit von 6.22,57, die natürlich angesichts der nachfolgenden Disqualifikation nichts Wert war. Damit siegte am Ende Bob de Vries, vor Wouter olde Heuvel (6.22,74) sowie Bergsma und Bovenhuis. Dramatisch auch der Kampf um Platz fünf, Arjen van der Kieft blieb in 6.26,05 gerade 0,04 Sekunden vor Renz Rotteveel. Allerdings dürfte diese Platzierung wertlos sein, da Bob de Jong höchstwahrscheinlich von der KNSB für die Weltcups nominiert wird.

Einen weiteren eklatanten Unterschied zwischen den “Deutschen” und den Niederländischen Meisterschaften konnte man im Juniorenbereich feststellen. Während sich die besten Junioren Deutschlands auf die Qualifikation in zwei Wochen vorbereiteten, nutzen die Gleichaltrigen aus unserem Nachbarland die Chance sich mit den Besten zu messen. Eine Strategie die bereits  in den letzten Jahren erfolgreich praktiziert wurde.

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