Medaillen für deutsche Läufer in Korea

Autor: DESG Samstag, Februar 11th, 2017 Nicht kommentiert Unter: Eisschnelllauf
DESGphoto Claudia Pechstein DESGphoto / L. Hagen

Am dritten Tag der Einzelstrecken-Weltmeisterschaft in Gangneung gab es die dritte Medaille für das DESG-Team. Nachdem 500 m-Mann Nico Ihle mit Silber am Freitag die medaillenlose Zeit der DESG beendet hatte, holten Claudia Pechstein mit Silber über 5000 m und Patrick Beckert mit Bronze das nächste Edelmetall.

Claudia Pechstein machte das fast Unmögliche wahr: Mit knapp 45 Jahren gewann die Berlinerin über 5000 m in der Superzeit von 6:53,73 Minuten Silber hinter Serien-Weltmeisterin Martina Sáblíková (29) aus Tschechien, die nur 1,55 Sekunden schneller war. Dritte wurde die Kanadierin Ivanie Blondin (6:57,15). Sablikova stellte mit ihrem neunten Sieg in Folge seit 2007 auch einen Rekord auf. Pechstein spulte ihren Lauf wie in ihren jugendlichen Zeiten wie ein Uhrwerk ab. Für die letzte Runde brauchte sie nur 32,22 Sekunden. Damit ist sie die älteste Medaillengewinnerin aller Zeiten und die erfahrenste. Im Dezember 1986 holte sie sich als Juniorin bei einem Länderkampf gegen die UdSSR und Polen in Karl-Marx-Stadt den ersten internationalen Sieg. 1996 war sie bei der Premiere der Einzelstrecken-Weltmeisterschaft in Hamar (Norwegen) mit dabei. „Es war für mich ein phantastisches Rennen, so wie ich es mir vorgestellt habe. Ich bin stolz wieder eine Medaille gewonnen zu haben.“ Überrascht war sie, dass die beiden Niederländerinnen, die Vorjahreszweite Carien Kleibeuker und Antoinette de Jong im Medaillenkampf nicht mitmischen konnten. Dabei hatten Rückenprobleme Deutschlands Rekord-Olympiasiegerin beinahe noch um die WM-Teilnahme gebracht. So bedankte sie sich ausführlich bei den Ärzten und Physiotherapeuten, die sie mit ihren Behandlungen WM-fit gemacht haben.

Für Claudia Pechstein war der Verzicht auf den 3000 m-Start die richtige Entscheidung. Sie sei keine 3000 m-Spezialistin mehr. Diese Strecke entwickele sich immer mehr zu einer Sprintstrecke, meinte sie.

Auch die zweite deutsche Starterin Bente Kraus hatte Grund zum Strahlen. Die Berlinerin verbesserte ihren gut drei Monaten alten persönlichen Rekord von 7:04,98 auf 7:00,62 Minuten. Das reichte zwar „nur“ zu Platz acht. Ein Jahr vor den Olympischen Spielen ist die Leistungssteigerung bei den Damen erstaunlich. 2016 war Bente neun Sekunden langsamer und siebte geworden.

DESGphoto Bente Kraus DESGphoto / L. Hagen

„Am Donnerstag war ich von meiner guten 3000 m-Zeit hin- und hergerissen, nur 12“,so Bente. Lange musste sie auf ihren 5000 m-Start im sechsten und letztem Paar gegen niemand anders als Weltrekordlerin Sablikova warten. Sie kannte alle Zeiten der Konkurrenz. „Da muss man dann grosse mentale Stärke zeigen. Ich habe heute gezeigt, dass ich mit dem neuen Trainingssystem einen Schritt nach vorne gemacht habe“, sagte sie. Dem neuen Cheftrainer Jan van Veen vertraut sie völlig. „Ich wollte diesen Trainer und habe mit ihm grosse Fortschritte gemacht“, stellt sie fest. Lobende Worte fand sie für ihre Klubkameradin Claudia Pechstein. „Das ist sportlich sensationell, was Claudia hier abliefert. Das ist der reine Wahnsinn, was sie in ihrem Alter leistet.“

DESGphoto Patrick Beckert DESGphoto / L. Hagen

Das populäre Gangneung-Kulturfestival hätte Patrick Beckert fast den 10000 m-Start gekostet. Um am Wettkampftag weite Wege zu sparen war der Erfurter vom 70 Kilometer entfernten Mannschaftshotel in ein Hotel in Gangneung, 10 Autominuten von der Eisarena entfernt umgezogen. Das 50 Minuten vor dem Warming-Up bestellte Taxi konnte jedoch durch das Festival das Hotel nicht erreichen, auch mit einem privaten Auto kam er nicht weg. So machte sich der Thüringer zu Fuss, bepackt mit Rucksack und Sporttasche auf den Weg. nach 30 Minuten kam er „aufgewärmt“ an der Arena an. Am Start wusste Patrick, dass er für eine Medaille einen deutschen Rekord laufen musste. Von Anfang an lief er sein eigenes Rennen, achtete nicht auf seinen Supergegner Sven Kramer, der wieder in seiner eigenen Liga auftrat und in 12:38,89 Minuten einen niederländischen Rekord aufstellte. Patrick hielt die 25 Runden fast immer unter 31 Sekunden, die letzte war mit 29,74 Sekunden sogar die schnellste.

Am Ende verbesserte er auf der Flachlandbahn am Japanischen Meer seinen deutschen Salt Lake City-Rekord vom November 2015 auf 12:52,76 Minuten. Gecoacht von Trainer Gabriel Girard und lautstark angefeuert vom Zimmerkollegen Nico Ihle. „Wir sind jetzt das Medaillenzimmer“, so Patrick, der seinen Bruder Pedro als starken Trainingspartner lobte. Mit kleinen Anpassungen im Training wird er seinen bisher erfolgreichen individuellen Weg für PyeongChang 2018 fortsetzen.

Über 1000 m hatte Zimmerkollege Nico Ihle alles gegeben und mit Platz vier seine bisher beste WM-Platzierung erreicht. „Ich bin happy mit dieser Weltmeisterschaft und zufrieden mit der Saison. Dritter bei der Europameisterschaft, zweiter bei der Weltmeisterschaft. Jetzt fehlt nur noch eine Eins“, meinte der 500 m-Vizeweltmeister. Die nächste Chance bietet sich für den Chemnitzer bei der Sprint-WM in knapp 14 Tagen in Calgary.

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