Sven Kramer disqualifiziert

Author: SSN 24 February 2010 4 Commented
Under: Speedskating, Olympia

Sven Kramer, Gerard Kemkers
Sven Kramer, Gerard Kemk­ers
DES­G­pho­to / L. Ha­gen

Das gestrige 10.000m Ren­nen wird den meis­ten Zuschauern noch lange im Gedächt­nis bleiben, da der Top­fa­vorit Sven Kramer nach einem Wech­selfeh­ler dis­qual­i­fiziert wurde.

Der ei­gentliche Olympi­asieg, des erst vor einem Jahr vom Short­track auf die Lang­bahn gewech­sel­ten, Ko­re­an­ers Se­ung-Hoon Lee ging dabei in der gestri­gen Dra­matik fast un­ter. In einem spek­takulären Ren­nen über­run­dete er so­gar sei­nen Geg­n­er Ar­jen van der Kieft aus den Nied­er­lan­den und siegte in Olympisch­er Reko­rdzeit.

Für Kramer war das Ren­nen eine Ka­tas­tro­phe. Bei 6800m fol­gte er der An­wei­sung seines Train­ers Gerard Kemk­ers und wech­selte auf die In­nen­bahn – ein Feh­ler wie sich her­ausstellte! Kem­pers der da­nach zu­tiefst ges­chockt war, nahm die Schuld so­fort auch ohne ‘wenn und aber’ auf sich. Nach ei­gen­er Aus­sage war es für ihn der schreck­lich­ste Mo­ment sein­er Train­er­lauf­bahn: “Ich übernehme hi­er­für die Ve­r­ant­wortlichkeit. Das ist voll und ganz meine Schuld" und berichtet wie es dazu kam: “Die Geschichte ist ein­fach. Ich schaute zur Seite und schrieb et­was auf mein White­bord, das habe ich im­mer neben der Bahn lie­gen. Als ich zurückschaute, sah ich Sven für mein Ge­fühl die Außen­bahn laufen. Er ist zu weit her­aus­gekom­men." und fügt de­primiert hinzu : “Mein Ein­fluss als Train­er ist schein­bar so groß, dass ich ei­nen Höhep­unkt in ein ka­tas­tro­hales Ende umwan­deln kann. Für mich bricht eine Welt zusam­men", sagte der an­sch­ließend: “Ich hatte noch ein Prozent Hoff­nung, dass er nicht dis­qual­i­fiziert würde. De­shalb habe ich ihn nicht aus dem Ren­nen genom­men."

Nach sein­er Dis­qual­i­fika­tion fasste Sven Kramer das Ren­nen so zusam­men: “Ich laufe ei­nen der besten 10km meines Lebens, aber du ern­test nichts dafür" und sagte weit­er: “Es ist ein kost­spieliger Feh­ler. Du wech­selst verkehrt im wichtig­sten Mo­ment deines Lebens", so der nach außen ziem­lich ruhig wirk­ende Krame und führt fort: “Dann stürzt deine Welt zusam­men. So et­was sch­limmes habe ich noch nie mit­ge­macht."

Let­z­tendlich kostete dies­er Feh­ler Sven Kramer den Sieg, da er fast vi­er Sekun­den sch­neller als Lee gewe­sen wäre. Lee sagte dann auch: “Keine Frage, dies­er Olympi­asieg ist glück­lich."

Gerard Kemkers
Gerard Kemk­ers
DES­G­pho­to / L. Ha­gen

Durch den ver­häng­nisvollen Feh­ler des Coach­es wurde somit er­st­mals in der Geschichte der Win­ter­spiele der ei­gentliche Sieger eines Wet­tkampfes dis­qual­i­fiziert. Durch den ver­passten Dop­pelsieg über 5000m und 10000m bleibt Kramer auch die Ehre ver­wehrt in die Fußspuren sein­er Land­sleute Gian­ni Romme und Jochem Uyt­de­haage zu treten, de­nen die­s­es Duo 1998 bzw. 2002 ge­lang.

Für die Eissch­nel­l­lauf­na­tion Nied­er­lande stellt der gestrige Ren­naus­gang eine Tragödie dar, die fast schon an eine Staat­s­trauer her­an­reicht. Kron­prinz Willem Alexan­der fasste es bildlich in einem Satz zusam­men: “Ich bin gekom­men, um ein Fest zu feiern. Jet­zt weint ein Herz", sagte er. Zu­vor hatte er das Un­fass­bare von der Ehren­tribüne mit ver­fol­gt.

Nach­dem sich Kramer et­was beruhigt hatte, schilderte er die Ereig­nisse aus sein­er Sicht. Als er seine Fre­undin Nao­mi van As (Hock­ey-Olympi­asiegerin) auf der Tribüne mit dem Gesicht in den Hän­den ver­graben ge­se­hen habe “Da habe ich ge­dacht: Wahnsinn, hast du doch falsch gewech­selt? Als ich dann im Ziel die Reak­tion des Pub­likums sah, wusste ich endgültig, dass hi­er was nicht stimmt."

Zwei Stun­den nach dem Ren­nen trafen Sven Kramer und sein Train­er Gerard Kemk­ers, der ihn seit 2005 be­treut, er­st­mals wied­er aufei­nan­der. Kemk­ers, der selbst in Cal­gary 1988 die Bronzeme­daille über 5000m ge­wann, berichtete über das Ge­spräch: “Ich hoffe, dass unsere Bezie­hung so stark ist, dass ich mir über eine Tren­nung keine Sor­gen machen muss. Sven hat sich wie ein reifer Erwach­sen­er ver­hal­ten".

Kramer sie­ht dies hinge­gen of­fen­sichtlich et­was an­ders: “Ein verkehrter Wech­sel im wichtig­sten Ren­nen meines Lebens – das ist Scheiße. Jed­er kann mal Feh­ler machen, aber dies­er hi­er ist sehr teuer. Ich will ei­gentlich nicht an­deren Men­schen die Schuld in die Schuhe schieben, aber ich kann nicht an­ders. Natür­lich ist unsere Bezie­hung beschädigt" – fügte dann je­doch noch hinzu: “Let­ztlich bin ich selbst ve­r­ant­wortlich."

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4 Responses to “Sven Kramer disqualifiziert”

  1. Andreas says:

    Egal wie lang die Strecke ist ….. auf der “Wechselgeraden” wird IMMER gewechselt, außer beim Start (1500m/1000m).

    Dazu kommt, dass ein Sven Kramer nicht seinen ersten 10k läuft!

    Der Trainer ist sicherlich eine Schlüsselfigur an der Coachingline, aber …Sven sagte genau den richtigen Satz: “Let­ztlich bin ich selbst ve­r­ant­wortlich.”

  2. Frage says:

    Danke, RS!

  3. RS says:

    Bei der Rundenanzahl fährt man eine hochkonzentriete Lauftechnik – man verliert sehr leicht den Überblick und “vergisst” manchmal einfach zu wechseln, debem dem “Rundenzählen” ein häufig gemachter Fehler – besonders bei der Langstrecke.

  4. Frage says:

    Mal eine Frage: Warum weiß der Läufer nicht selbst, welche Bahnen er nehmen muss?

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